Incredible India
Nach einem kurzen Flug von nur 4 Stunden landen wir spätnachts in Delhi. Wir sind schon sehr gespannt was uns in diesem Land wohl so erwarten wird. Nach der
Paßport Kontrolle holen wir unser Gepäck vom Band und tauschen erstmal Geld. Am Ausgang des Airports warten Horden an Touts und Tourguides auf die Neuankömmlinge. Auf Tonga hatten uns drei nette junge Leute eine Firma empfohlen mit der sie eine Tour in Indien gemacht hatten und mit der sie sehr zufrieden waren. Wir hatten daher vor 3 Monaten eine email an den Managing Director Nazir Dandoo geschrieben und erstmal vereinbart, daß wir vom Flughafen abgeholt werden. Wir sind daher auch recht glücklich als wir einen jungen Mann mit einem Schild auf welchem unsere
Namen stehen sehen. Er wollte gerade schon gehen, da wir etwas spät dran sind. Nachts um 1 Uhr checken wir in einem dubiosen Hotel mitten in Delhi ein. No problem. So wird auf jede unsere Anfragen reagiert. Am nächsten Morgen machen wir uns erstmal zu den Büros der Travel Venture (India) Pvt. Ltd. auf. Dort werden wir bereits erwartet und Nazir, der Managing Director hat auch eine Tour für uns ausgearbeitet. Wir ziehen uns alleine in ein nettes Restaurant zurück. Solch ein nettes Restaurant ist allerdings ohne fremde Hilfe nicht zu finden. Auch nicht der Weg zurück. Überhaupt sich in Delhi zurecht zufinden erweist sich als deutlich schwieriger als vorgestellt. Nicht nur das es keine genauen Strassenkarten gibt. Es gibt ja auch keine Strassenschilder. Dazu kommt, daß die Strassen kreuz und quer
führen. Ein weiteres Problem ist der unglaubliche Verkehr und die vielen Menschen. Dazu ist zu sagen, daß die Autos, Rikschas, Tuk Tuks,Mopeds oder sonstige Verkehrsteilnehmer wohl eine Hupe haben aber ganz sicher keine Bremse. Zumindest nicht wenn das sich im Weg befindliche Hindernis nur ein Mensch ist. Alle Fahrzeuge zeigen auch deutliche Kampfspuren auf. Einzig für Kühe wird gebremst. Diese sind schließlich heilig. Sie laufen daher auch mitten im dichten Verkehr spazieren. Wer sollte diese heiligen Wesen auch aufhalten. Jedenfalls beschließen wir im Restaurant das Angebot bzgl. der Rajasthan Tour anzunehmen und arbeiten einen aus unserer Sicht guten Reiseplan aus. Der besteht insbesondere darin, daß auf einen stressigen Autofahrtag ein
Nichtfahrtag folgt. Im Preis inbegriffen ist ein Fahrer, der uns während unserer Zeit in Indien ständig zur Verfügung steht und uns wann immer wir es wünschen zu unseren Zielen führt (im Auto natürlich) sowie alle Hotels. Am Nachmittag zieht es uns dann auf den Markt, welcher in der Nähe unseres Hotels liegt. Zum ersten Mal an diesem hektischen Tag lassen wir die Eindrücke etwas langsamer auf uns wirken. Die Menschen strömen unglaublich energiegeladen wie die Ameisen durch die Gegend. Durch das viele Hupen der im absoluten Stau steckenden Fahrer ist es sehr laut. Außerdem ist die Luft von allen möglichen sowohl guten als auch schlechten Düften erfüllt. Es erinnert uns sehr an den Orient. Ein bärtiger Mann kommt auf Andreas zu und hält ihn für einen
Moslem aus dem Himalaja. Es dauert etwas die Verwechslung aufzuklären. Insbesondere, da wir kein Hindi sprechen.
Am nächsten Morgen wartet unser Fahrer schon und wir stürzen uns in den hektischen Verkehr Delhis. Abgesehen davon, daß uns ein Bus fast gerammt hätte kommen wir gut durch den Verkehr. Wir besichtigen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Delhis wie das Red Fort, das Delhi Gate u.v.m. In einem original indischen Restaurant gehen wir Mittagessen. Ein gutes Hotel oder auch Restaurant scheint man daran zu erkennen, daß es einen Türsteher hat. Während wir essen oder uns Sehenswürdigkeiten anschauen wartet unser Fahrer im Wagen. Uns fällt wieder der krasse Unterschied zwischen sehr reichen und armen Menschen auf und wie eng hier alles beieinander liegt. Im Hotel wird einem vom Portier in Robe noch die
Tür geöffnet und kaum ist man auf der Strasse kommen kleine Mädchen und betteln und eine Kuh hat gerade einen frischen Fladen hingesetzt. Indien kann einem seine gesamte Energie in kürzester Zeit blitzartig rauben. Allerdings wissen wir nicht ob man das versteht wenn man es nicht selbst erlebt hat. Ob man es allerdings erleben muß ist eine andere Frage. Sehr interessant sehen die Frauen in ihren bunten Saris aus. Am Abend gehen wir in unser Hotel zurück und legen uns früh schlafen. Morgen geht es los in Richtung Rajasthan.
Am Morgen holt uns unser Fahrer ab und wir fahren los in Richtung Mandawa. Die wenigen hundert Kilometer dauern eine Ewigkeit. Kurz nach Delhi werden die
Strassen schlechter. Wir rumpeln durch eine endlose Anzahl an Schlaglöchern. Auf der Strasse bewegen sich unglaubliche Mengen von Fahrzeugen aller Art, Tieren und Menschen, auf Fahrrädern oder Rikschas. Kamele ziehen große Holzkarren hinter sich her, auf denen Berge von Heu oder Ziegeln oder auch getrockneten Kuhfladen transportiert werden. Manchmal liegt auch einfach nur ein fauler Inder mit Turban hinten auf dem Karren und macht ein Nickerchen. Das Kamel wird schon wissen wo es hingeht. Dazu laufen ständig heilige Kühe über die Strasse oder liegen auf oder neben der Strasse. Wir fahren durch karge Landschaften und kleine Ortschaften. Als Behausungen dienen oft nur Lehmhütten mit Stohdächern. Dort leben die Menschen zusammen mit ihren Tieren. Ihre Geschäfte verrichten sie hier im Sitzen direkt neben der Strasse.
Ab und zu sieht man Tempel für die verschiedenen Gottheiten. Unser Fahrer überholt bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Also immer dann, wenn ein anderes Fahrzeug vor uns ist. Teilweise werden auch wir überholt. Jeder Verkehrsteilnehmer hat eine Hupe und nutzt sie ausgiebig. Insbesondere Busse haben ein sehr besonderes Trillern. Wenn man dieses direkt hinter sich vernimmt, dann weiß man, daß jetzt wieder ein Bus vorbei möchte und man besser schnell zur Seite fährt. Unser Fahrer ist leider sehr müde und fällt einmal kurz in einen Sekundenschlaf. Das erschrickt ihn und uns sehr. Wir geben ihm daraufhin ein Cola und hoffen sie hält ihn einigermaßen wach. Er heißt Parween und ist 24 Jahre alt. Die Arbeit als Fahrer hält er für sehr anstrengend und betont es des öfteren. Lieber möchte er nach Europa und dort arbeiten. Aber nicht als Fahrer. Überhaupt vom Fahrer möchte er gerne aufsteigen. Wir wünschen ihm dabei natürlich alles Gute und viel Erfolg. Auch wenn wir nicht verstehen, wieso der Job als Fahrer so sehr hart sein soll, schläft er doch viel in der Zeit in der er auf uns wartet, während wir die Sehenswürdigkeiten anschauen. Wir kommen nach endloser Fahrt endlich in Mandawa an und sind in einem netten Resort untergebracht. Das ganze wirkt sehr orientalisch. Überhaupt ist Indien sehr viel orientalischer als wir uns das vorgestellt haben. Die Männer tragen Turbane und haben lange Bärte. Die Musik die auf der Strasse ist auch voller orientalischer Klänge. Nachdem wir uns einquartiert haben schauen wir uns Mandawa etwas an. Leider ist es schon recht
dunkel geworden und wir können keine schönen Bilder mehr machen. Am Abend essen wir sehr lecker im Resort und treffen dort auf zwei wortkarge Tübingerinnen. Am nächsten Morgen geht es früh weiter in Richtung Bikaner. Eine weite Fahrt steht uns wieder bevor. Nach dem Frühstück wartet unser Fahrer bereits und wir holpern los in Richtung Bikaner. In der letzten Nacht hat es wieder geregnet und einige Strassen haben sich in Bäche verwandelt. Meistens mitten in den Ortschaften. Die Strassen sind nicht geteert. Es handelt sich um reine Sandschotterpisten. Jede Durchquerung eines Baches wird daher zur Mutprobe und wir halten immer den Atem an, ob wir wohl auch gut durchkommen werden. Einmal hält uns ein entgegenkommendes Fahrzeug an und warnt vor einer besonders schlimmen Stelle. Nach einigen kleinen Ortschaften wird die Strasse besser. Die Landschaft hat sich mittlerweile sehr gewandelt und wir fahren durch eine mehr und mehr wüstenartige Gegend. Der Boden ist mit Sand bedeckt. Zwischendurch wachsen karge Büsche. Auf der Strasse überholen wir jede Menge Karren, welche von Kamelen gezogen werden. In der Landschaft sehen wir Lehmhütten mit Strohdächern. In ihnen leben die Menschen auf dem Land. Es handelt sich hauptsächlich um Viehhalter. Wir sehen wie sie Ziegen oder Schafe vor sich hertreiben. Die
Kamele werden meist als Lasttiere verwendet und tragen oder ziehen schwere Waren wie Heu oder Reis. Nach langer Fahrt kommen wir endlich in Bikaner an. Als erstes checken wir im Hotel ein. Danach geht es zu einer Kamelforschungsstation. Hier können wir Kamele aller Arten anschauen. Interessant und aufregend zu sehen ist, wie die Kamelhirten ein Junges von seiner Mutter trennen um ihm Blut abzunehmen. Das Kleine wehrt sich mit ganzer Kraft und die Mutter versucht ihm zur Hilfe zu kommen. Damit halten sie die vier Kamelhirten schwer auf Trab. Den Abend verbringen wir mit Chai Tee und leckerem Gebäck. Unser Fahrer holt uns am nächsten Morgen wieder ab und wir fahren zu einem Tempel der ganz besonderen Art. Der Tempel heißt Karni Mata.
Hier werden von Gläubigen Tausende heiliger Raten verehrt. Man muß auch hier, wie in jedem Tempel, seine Schuhe ausziehen. Wir behalten allerdings unsere Socken an. Im Tempel laufen Unmengen von Ratten frei herum. Wenn einem eine Ratte über die Füße läuft bedeutet das besonderes Glück. Die Ratten bekommen Futter von den Gläubigen, welches sie vor dem Tempel kaufen können. Rattenkot liegt natürlich überall herum. Auch uns laufen die Ratten über die Füße, allerdings keine Weißen, was besonderes Glück bedeuten würde. Nach der Besichtigung ist uns ziemlich schlecht. Das liegt nicht nur am Gestank. Am Nachmittag besuchen wir dann den Lalgarh Palace und ärgern uns etwas über die sehr überhöhten Eintrittspreise. Wird doch das Mitbringen jeder Kamera extra berechnet, und eine Videokamera ist dreimal teurer als ein Fotoapparat. Dafür bleiben wir dann auch so lange, bis die Wärter uns vor die Türe bitten. Im Palace sind auch wir Attraktion. Zumindest für die Inder, welche sich mit uns fotografieren lassen. Auch wir fotografieren sie und versprechen ihr Bild ins Internet zu stellen. Am nächsten Morgen erwartet uns nach dem Frühstück eine besondere Überraschung.
Unser Fahrer kommt im Hotel auf uns zu und eröffnet uns, daß wir für heute einen neuen Fahrer hätten. Dies gefällt uns gar nicht. Als wir vor das Hotel treten sehen wir den neuen Fahrer. Ein dümmlich dreinblickender Zeitgenosse, welchem die Spucke aus dem Mund trieft. Sofort versuchen wir unserem Fahrer klarzumachen, daß solch ein Tausch nicht in Frage kommt. Da kommt auch schon eine junge Frau auf uns zu. Wie sich herausstellt haben sie und ihre Freundin auch bei der gleichen Firma einen Fahrer und Hotels gebucht. Leider haben die beiden mit ihrem Fahrer bei weitem nicht das Glück wie wir. Ihr Fahrer ist leider sturzbesoffen. Er hat die ganze Nacht über Whiskey gebechert und kann jetzt nicht mehr richtig laufen und sprechen. Die beiden hatten sich daher geweigert mit ihm auch nur einen weiteren Meter zu fahren. Da hat sich die Firma wohl gedacht, wenn die beiden nicht mit ihm fahren wollen, dann sollen wir mal mit ihm fahren. Das kommt natürlich nicht in Frage. Nach kurzem Überlegen beschließen wir erstmal gemeinsam mit unserem Fahrer weiterzufahren. Da wir mit Gepäck nicht alle ins Auto passen beschließen wir, daß der Betrunkene das Gepäck fahren soll. Verena und Vanessa heißen unsere neuen Mitreisenden. Sie kommen beide aus Berlin. Der
Firma haben sie versucht klarzumachen, daß sie mit diesem Fahrer nicht mehr fahren werden und man verspricht ihnen, sofort einen neuen Fahrer zu unserem nächsten Hotel in Jaisalmer zu schicken. Unser Gepäck fährt erstmal voraus und wir hinterher. Unser Gepäck fährt Schlangenlinien und nicht schneller als 20 km/h. Wir überholen und hoffen, daß es den Weg auch findet. Die Landschaft hat sich mittlerweile sehr geändert. Wir fahren nun durch die Wüste. Weit und breit sind keine Menschen mehr zu sehen. Ab und zu sieht man Kamele einsam ihre Bahnen ziehen. Auf der Strasse fährt viel Militär. Wir sind hier sehr in der Nähe von Pakistan. Leider ist die Klimaanlage mittlerweile ausgefallen und wir schwitzen vor uns hin. Nach zwei Stunden Fahrt halten wir in der Wüste an einem Platz mit alten Restaurant und Telefonbüchse an. Wir haben uns mit unseren neuen Mitreisenden mittlerweile angefreundet und machen uns den Trouble nun zur gemeinsamen Sache.
Wir rufen nochmals bei Nazir an, da unser Fahrer immer wieder auf uns zukommt und versucht zu erklären, daß der andere Fahrer nicht so schlecht sei und morgen ja schon wieder nüchtern. Wir haben daher die Sorge, daß gar kein neuer Fahrer unterwegs ist und sie versuchen werden uns den Betrunkenen nochmals schmackhaft zu machen. Am Telefon wird uns allerdings wieder versichert, daß der neue Fahrer unterwegs sei. Wir warten eine ganze Weile auf unser Gepäck. Dieses kommt nach 2 Stunden auch mitten in der Wüste an. Der Betrunkene muß sich jetzt erstmal hinlegen. Nach einer halben Stunde ist er wieder am Steuer und fährt jetzt voraus. Unerwartet fährt er vor richtigen Weg ab und biegt mitten in die Wüste ein. Da er unser Gepäck hat rasen wir ihm hinterher und eine Verfolgungsjagd beginnt. Unser Fahrer macht ihm Zeichen er möge doch anhalten, dieser läßt sich jedoch nicht beirren. Bei Versuchen ihn zu überholen drängt er uns ab. Nach guten 10 Minuten halten wir mitten in der Wüste an einem kleinen Teich. Hunderte von blauen Vögeln mit langen Beinen befinden sich hier. Der Betrunkene
wollte uns etwas Besonderes zeigen und die Stimmung wieder zu verbessern. Hätte er uns vorher gefragt, wäre es ihm vielleicht auch etwas gelungen. So sind wir nur sehr genervt, da er gerade unsere Nerven doch sehr angespannt hat. Trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen einige schöne Aufnahmen machen. Egal wo man in der Wüste hält, es dauert nicht lange bis man umringt ist von einer Kinderschar. Unklar, wo sie immer her kommen. Stifte, Geld und Schokolade hätten sie gerne. Nach kurzem Aufenthalt fahren wir weiter. Unser Gepäck fährt wieder voraus. Nach einer halben Stunde biegt es wieder plötzlich ab. Diesmal wissen wir schon was er vor hat und fahren daher einfach geradeaus weiter. Wie erwartet überholt es uns nach kurzer Zeit wieder. Ohne weitere Zwischenfälle geht es nun bis nach Jaisalmer. Nur durch massiven Druck rückt der Betrunkene hier nun die Hotelvoucher der beiden Mädchen heraus.
Es ist ihm anscheinend noch nicht ganz klar, daß die Fahrt für ihn hier nun zu Ende ist. Jaisalmer ist eine Stadt, welche mitten in der Wüste liegt. Kamele ziehen schwere Lasten. Die Strassen sind zumeist nicht geteert sondern bestehen nur aus Schotterpisten. Am Straßenrand gibt es den Reifenhändler, die Telefonbude, die Garküche, den Buchhändler und was man sich sonst noch so alles vorstellen kann. Über der Stadt thront das Goldene Fort. Eine Art riesige Burg, welche allerdings bewohnt ist. In Indien kommt man sich immer wieder wie in einer Zeitreise durch die Vergangenheit vor. Im Fort laufen Kühe frei rum. Jedes Haus ist gleichzeitig ein Geschäft, welches alles mögliche an den Touristen verkaufen möchte. Die Gassen sind sehr eng. Eine Kanalisation gibt es nicht, dafür alle möglichen Gerüche. Ständig fahren Mopeds umher und wir müssen schwer aufpassen nicht überfahren zu werden. Unerwartet friedlich sind die Bewohner des Forts. Normalerweise stürmen die Inder ja auf einen ein und versuchen einem irgend etwas zu verkaufen. Rufe wie
Hello Sir - have a look oder Tuk Tuk Sir ? sind allgegenwärtig. Nicht das dies im Fort gar nicht vorkommt, aber bei weitem nicht mit der sonst vorhandenen Penetranz, die einen doch viel Nerven und Energie kostet. Ständig taucht jemand neben einem auf und möchte etwas verkaufen oder aber umsonst Geld haben. Das sind dann meistens Kinder. Unser Fahrer ist auch um uns besorgt (er ist grundsätzlich für das Wohlergehen seiner Touristen verantwortlich). Er warnt uns daher vor den Touts. Wir sollen grundsätzlich immer no thank you sagen. Wenn wir wirklich etwas kaufen wollen, dann fährt er uns zu einem guten Händler erklärt er uns. Nun gut. Wir wollen gar nichts kaufen und wie wir Horden von aufdringlichen Verkäufern loswerden wissen wir ja schon seit Mexiko recht gut. Am nächsten Morgen treffen wir uns ein letztes Mal zum Frühstück mit den beiden Travellern aus good old Germany, da diese ihre Reise nun mit ihrem neuen Fahrer fortsetzen.Wir machen uns auf nach Jodhpur - der blauen Stadt. Es geht wieder über 300 km quer durch die Sandwüste. Vorbei an Dünen,
Kamelen, einsamen Hütten und Frauen, die am Straßenrand graben. Mitten in der Wüste halten wir an einer Werkstatt aus dem 16ten Jahrhundert an, um unseren vorderen Reifen reparieren zu lassen. Parwin unser Fahrer meint, er sei nicht mehr so gut und bedürfe der Reparatur. Nun, dieser Meinung waren wir von allen Reifen seit unserer Abfahrt. Wir verbringen also zwei Stunden in der Gluthitze Rajasthans. Ein Lastwagenbesitzer, dessen Fahrer gerade schläft, versucht sich angestrengt mit uns zu unterhalten. Leider kann er kein englisch, obwohl er es angeblich bereits seit einem Jahr studiert. Es geht weiter durch die Wüste. Nach einer guten Stunde Fahrt gibt der eben reparierte Reifen den Geist auf und verabschiedet sich mit einem lauten Knall. Da stehen wir nun mitten in der Wüste. Allerdings nicht lange alleine. Wie aus dem Nichts taucht zuerst ein Junge auf. Danach zwei Mädchen, dann weitere Jungens. Und aus der Ferne laufen weitere Kinder auf uns zu. Sie sind sehr neugierig. Am
interessantesten finden sie die Videokamera und die Digitalkamera. Auch hätten sie gerne Stifte und Geld. Leider haben wir keine Stifte für sie dabei. Wenn wir wiederkommen werden wir auf jeden Fall welche einpacken. Unser Reserverad sieht leider recht erbärmlich aus. Parwin montiert es dennoch. Wir verabschieden uns und langsam geht die Reise weiter. Nach weiteren 120 km kommen wir in Jodhpur an. Das erste Hotel gefällt uns nicht, da es nach Diesel stinkt und wir legen unser Veto ein. Daraufhin fahren wir zu einem anderen Hotel. Dieses macht einen sehr guten Eindruck. Als wir unser Gepäck ausladen gibt auch das Reserverad auf und das Auto steht mit einem Platten vor dem Hotel. Wir können unser Glück nicht fassen, daß es gerade bis hierher
gehalten hat. Parwins Freund, auch ein Touristenfahrer, hat auch Touristen in diesem Hotel und wir fahren erstmal den Rest des Tages mit seinem Auto durch Jodhpur. Am nächsten Tag besichtigen wir Jodhpur. Zuerst den Clock Tower und den Markt. Der Clock Tower wurde von den Briten erbaut. Auf dem Markt, der drumherum plaziert ist, kann man Gewürze und Gemüse kaufen. Ein kleiner Junge hält uns für Magic und verfolgt uns während unseres ganzen Besuches. Überhaupt sieht man hier so gut wie keine Touristen. Für die Menschen hier sehen wir wohl sehr seltsam aus. Jedes Geschäft und sei es noch so klein hat hier ein großes Schild auf dem steht, daß es vom Lonely Planet empfohlen wird. Komisch, daß in unserer Ausgabe keine Hinweise zu finden sind. Auch hier gibt es viele Bettler. Ein kleines Mädchen schimpft uns Monkeys, als wir
ihr nichts geben wollen und rennt weg. Danach geht es nach Meherangarh. Meherangarh ist das schönste Fort in Rajasthan. Es liegt auf einem 125 Meter hohen Hügel. Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf die blaue Stadt und das Umland. Am Abend ruhen wir im Hotel aus. Am nächsten Tag geht es weiter nach Pushkar. Während der Fahrt passiert nicht viel. Wir sehen zum ersten Mal wilde Affen. Die hatten wir vorher nur im Zoo gesehen. Beim einchecken erklärt uns der Portier, daß wir very important persons sind. So wie es aussieht hat Nazir auf jeden unserer Hotelvouchers VIP geschrieben. Daher wird sich auch ständig nach unserem Wohlbefinden erkundigt und ob alles in Ordnung ist.
Das Hotel in Pushkar ist das schönste unserer Reise durch Indien. In Pushkar selbst trifft man Sadis und verrückte westliche Menschen. Es gibt einen heiligen See. Sobald man aus dem Auto steigt versuchen die Einheimischen einem Blumen in die Hand zu drücken. Diese darf man aber nicht wegwerfen, sondern muß sie unbedingt in den heiligen See werfen. Das kostet Geld - versteht sich. Sollte man die Blume einfach so auf die Strasse werfen sammelt sich sofort eine Menschenmenge welche wild und aufgeregt diskutiert. Ein typischer Indienscam. Von Pushkar aus fahren wir nach Jaipur. Dieses ist sehr groß und die Hauptstadt von Rajasthan. Wir haben hier einen sehr interessanten Tag. Am Vormittag besuchen wir ein Fort. Nach dem Mittagessen gehen wir zu
einem Wahrsager, welcher auch unserem Fahrer Parwin die Zukunft vorhergesagt hat und von ihm sehr empfohlen wird. Dieser weiß nun auch jede Menge über uns. All das was wir vorher Parwin erzählt haben kann nun auch dieser Wahrsager über uns berichten. Wir sind daher natürlich mächtig beeindruckt. Erwähnen sollte man noch, das der Wahrsager ein Schmuckgeschäft betreibt und wir mit den Händen über den Auslagen die Zukunft erfahren. Wie der Zufall so will paßt zu Andreas ein blauer Saphir sehr gut. Den sollte man am besten als Ring am Finger tragen. Obwohl wir mehrfach gesagt haben, daß wir nichts trinken möchten wird uns Chai Tee serviert. Wir lassen ihn lieber stehen (in Indien muß man sehr aufpassen, daß man nicht vergiftet wird) und gehen wieder. Als nächstes geht's ins Kino. Ein echter Bollywood Film steht auf dem Programm. Das Kino ist größtenteils mit Männern gefüllt. Der Film eine
unglaubliche Schnulze, in welcher viel gesungen wird. Die Zuschauer sind sehr mitgerissen und klatschen immer wieder, wenn ihnen eine Szene sehr gut gefällt. Es ist hier in Indien durchaus üblich, daß Männer Händchen halten oder sich umarmen. Wahrscheinlich aus Mangel an Frauen, welche im öffentlichen Leben eher nicht vorkommen. Jedenfalls stecken sie auch hier ihre Köpfe zusammen und sitzen umarmt im Kino. Es soll allerdings hier in Indien nur bedeuten, daß sie gute Freunde sind. Am Abend gehen
wir in ein nettes indisches Lokal, in welchem eine indische Tanzaufführung geboten wird. Am nächsten Tag machen wir uns auf den langen Weg nach Agra. Am Morgen geht es um 5.30 Uhr zum Taj Mahal um dort den Sonnenaufgang zu sehen. Dieser ist leider etwas durch Wolken getrübt. Das Taj Mahal ist sehr schön und bildet einen wundervollen Abschluß unserer Reise. Nach der Besichtigung geht es zurück nach Delhi. Hier verbringen wir noch einen letzten Tag mit Einkaufen und Besichtigungen bevor wir wieder zurück nach Deutschland fliegen.
Indien ist wirklich ein fantastisches Land, welches gleichzeitig in mehreren
Jahrhunderten lebt. Es gibt hier Menschen, die wie seit Tausenden von Jahren ihre Ziegen und Kamele hüten und mitten in der Wüste in kleinen Lehmhütten wohnen. Dann gibt es wieder die Menschen, die wie bei uns im Mittelalter, in den Burgen wohnen. Die Städte hier sehen aus wie nach einem Krieg und auch manche Gefährte erinnern an die Zeit. Es gibt aber auch das Indien, welches in der IT Welt lebt. Allerdings wohl nur ein sehr kleiner Teil. Fantastisch sind auch die Menschen anzusehen mit ihren Turbanen, Bärten und die Frauen in ihren Saris. Bei uns hat Indien einen tiefen und bleibenden Eindruck hinterlassen. Wahrscheinlich mehr als jedes andere Land unserer Reise. Für diejenigen, die vielleicht selbst gerne Indien bereisen möchten mag die Webseite der Firma mit der wir durch Rajasthan gefahren sind interessant sein. Sie lautet:
Allerdings können wir diese Firma nur eingeschränkt empfehlen. Am besten uns vorher eine email schreiben - wir helfen mit guten Tipps gerne weiter.
Unsere Weltreise ist nun leider zu Ende. Vielen Dank an alle Mitreisenden. Wir hoffen die Webseite mit den Bildern und den Reiseberichten war unterhaltend und es hat Spaß gemacht mit uns einmal um die Welt zu reisen. Wir werden in einiger Zeit noch einen Abschlußbericht schreiben.
Bettina und Andreas
Thanks for reading. Have a great day!