3000 Meilen auf Amerikas Highways (30. Oktober 2004)
3000 Meilen von San Francisco über Yosemite nach Mono Lake und Death Valley nach Las Vegas. Von Zion über Grand Canyon nach Tucson. Von den Saguaros über Organ Pipe Cactus nach Joshua Tree. Von San Diego nach Tijuana in Mexiko. Von San Diego nach Hollywood und nach Santa
Barbara und auf dem Highway No 1 zurück nach San Francisco. Wir erleben unglaublich viel während unseres 4-wöchigen Aufenthaltes. Jeden Tag gibt es viel zu sehen, zu entdecken und kein Tag ist wie der andere (wie so viele zu Hause). Wir bereisen Amerikas Städte und Nationalparks, sind auf vielen Campingplätzen und in vielen Motels. Auf dem Highway und einsamen Trails. Die Landschaft durch die wir fahren ändert sich ständig. Von trockener Ebene zu bewaldetem Gebirge zu Höhenseen, zu trockener Steinwüste. Dann wieder einsame Täler mit kleinen Flüßchen, dann der grandiose Grand Canyon, der mit Worten und auch Bildern nicht richtig zu beschreiben ist. Und eine Landschaft voller Kakteen wie wir sie noch nie gesehen hatten. Dann wieder die wunderschöne Küste Kaliforniens, mit dem Meer auf der einen Seite und den Bergen auf der anderen. Die Landschaft ist riesig und oft sieht man bis zum
Horizont keine anderen Menschen und keine Fahrzeuge. Ein unglaublich weites Land. Unvorstellbar. Meilenweit und stundenlang kommt uns niemand entgegen. Ganz allein fahren wir durch diese einzigartigen Landschaften.
Ein gan
z anderes und meist sehr trostloses Bild bieten dagegen die Städte. Riesige Moloche angelegt in einem orthogonalen Straßensystem über Meilen hinweg, sich nicht verändernd. Keine Unterschiede zwischen den Städten. Ausnahmen hiervon sind San Francisco und San Diego, die wenigstens in den Kernbereichen (downtown) eine interessante Abwechslung bieten. Das Leben in den Städten spielt sich in den Einkaufsmalls ab. Dort kann man fast die Trostlosigkeit außerhalb vergessen. Die Einkaufsmalls sind meistens sehr neu und herausgeputzt, wie in Europa die großen Kaufhäuser. Nach vier Wochen fallen uns die kaputten Autowracks, halb verfaulten Gebäude die schon lange keinen neuen Anstrich mehr bekommen haben, gar nicht mehr auf. Und das Bild bietet sich dem Auge über Meilen und Meilen hinweg. Kein anderes Bild in Los Angeles. Wer
hierher kommt und sich Hollywood in irgendeiner Weise besonders schön und herausgeputzt vorgestellt hat wird davon sehr enttäuscht sein, da es den gleichen heruntergekommen Eindruck macht wie die restlichen Städte. Das ist allerdings alles nichts im Vergleich zu Mexikos Blechhütten. Wir waren zwar nur sehr kurz in Mexiko und haben sicher keinen umfassenden Eindruck bekommen. Was wir jedoch dort an Armut und verfallenem Stadtbild gesehen haben, haben wir auf unseren vielen Reisen vorher noch nie gesehen. Und Tijuana mit seiner Nähe zu den USA gehört sicher zu den wohlhabenderen Städten in Mexiko. (Indien kommt noch.
) Illigal Aliens sind ein großes Thema in den USA, im Fernsehen und auf den Straßen im Süden. Sie kommen zumeist aus Mexiko, aber auch aus China. Da gibt es von Politikern, die den Illegalen zumindest gewisse Rechte zukommen lassen möchten bis zu Rassisten das ganze Spektrum, das man sich zu so einem Thema vorstellen kann. Die illegalen Einwanderer aus Mexiko sieht man insbesondere in den Städten im Süden am Straßenrand stehen, darauf wartend, daß jemand vorbeikommt und ihnen Arbeit gibt zu einem Stundelohn von 4$-6$ pro Stunde. Natürlich ohne Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung und ! ohne Steuern zu zahlen, was natürlich die regulären Bürger insbesondere aufbringt. Daß die armen Teufel nur überleben wollen und ihre Familien versorgen wird von manchem dabei übersehen.
Reisen an sich ist sehr einfach in den USA. Es gibt überall Campgrounds. Im Westen gibt es
an den Highways auch überall günstige Hotels. Das Land ist auf das Auto eingestellt. D.h. ohne ist es meist schwierig wenn nicht sogar teilweise unmöglich gewisse Ziele zu erreichen. In den Nationalparks, auf den Trails und am Campground treffen wir immer wieder nette Amerikaner, die mit einem Hi, howr you ? einen kleinen Plausch mit uns anfangen. Viele haben Vorfahren in good old Germany. Meistens sind die Gespräche allerdings nicht sehr tiefgründig. Außer man trifft auf Joey und seinen Cousin Frank wie wir im Joshua Tree Park. Insbesondere Joey erklärt uns stundenlang was Bush alles falsch macht he dropped the ball ! und warum die momentane Regierung so evil ist. Und natürlich auch von seiner Zeit in Boston als er sich für Party und Marihuana oder für die Heizung entscheiden mußte und natürlich viel die Wahl auf ersteres.
Unser Aufenthalt hier fällt in die Zeit der amerikanischen Präsidentschaftswahlen und so sehen wir auch viele Wahlplakate an den Straßen. Ebenso viele Autoaufkleber, meistens mit dem "Kerry" Schriftzug aber auch "anything but Bush" oder ähnliches. Man merkt schnell, daß diese Wahl das Land spaltet wie noch keine Wahl zuvor. Das Land ist sehr stark polarisiert mit vielen klaren eindeutigen Bush Gegnern, die eine Wiederwahl auf jeden Fall verhindern wollen und natürlich mit genauso vielen Bush Befürwortern. Wer auch immer gewinnt wird es schwer haben, das Land wieder zu vereinigen. Der Krieg, viele Abeitslose, steigende Krankenversicherungsbeiträge, hohe Steuern für die Mittelschicht und Steuergeschenke für die Reichsten sind das Ergebnis von 4 Jahren Bush. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Ultrakonservative die gegen Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehen sind und denen diese Themen wichtiger als alles andere sind und deshalb Bush befürworten. Die Doppelmoral zwischen vielen Kriegstoten auf der einen und Abtreibungen auf der anderen können wir allerdings nur schwer nachvollziehen. Viele Prominete setzen sich für Kerry ein wie Bruce Springsteen, Bon Jovi, Jennifer Aniston, Brad Pitt und viele mehr. Wichtig ist vielen, daß die Leute überhaupt wählen gehen, da die Themen so existentiell sind. So werden auch wir angesprochen "Are you guys voting ?" "Well no, but we would vote for Kerry."
Insgesamt war die Zeit in den USA wunderschön und sehr abwechslungsreich. Jeder Tag war anders. Wir haben viel gesehen und viel erlebt. Wenn es auch wie in Mexiko nicht immer nur schön war, so waren es doch immer wichtige Erfahrungen die wir nicht mehr
missen wollen.Wir müssen nun von den USA Abschied nehmen, sind aber auch schon sehr gespannt was Tonga so bringen wird.
Die nächsten Berichte und auch neue Bilder werden wohl erst online gehen, wenn wir in Neuseeland sind, da wir erwarten, daß wir in Tonga keinen hotspot finden werden. Falls doch gibt es schon vorher ein update. Falls nicht, erst wieder aus Auckland und das dürfte so um den 22. November sein.
Thanks for reading. Have a great day.